Wir leben in einer Zeit, in der viel über Nacktheit, Sexualität und Geschlechterrollen diskutiert wird – vor allem, wenn es darum geht, wie Kinder damit in Berührung kommen. Wie geht Japan mit diesen Themen um? Manche halten Japan wegen bestimmter kultureller Eigenheiten sowie der Anime- und Sexindustrie für ein sexuell freizügigeres Land.
Im Internet tauchen immer wieder Argumente aus Japan auf, die Ideen wie die frühzeitige Konfrontation von Kindern mit sexuellen Themen verteidigen. In diesem Artikel versuchen wir, das Thema möglichst sachlich einzuordnen.
Während in Brasilien das Christentum dominiert und einen stark moralisch geprägten Rahmen setzt, ist Japan in Bezug auf Sexualität deutlich offener – weniger als fünf Prozent der Japaner sind Christen. Gleichzeitig erlaubt Japan keine gleichgeschlechtliche Ehe und greift nur selten in Fragen ein, die mit Sex oder Geschlechtsidentität zusammenhängen.
Die Japaner sind generell zurückhaltend und greifen ungern in kontroverse Themen ein: Jeder soll im Grunde tun, was er möchte. Natürlich gibt es immer wieder Bewegungen und Diskussionen zu diesen Themen, allerdings in deutlich kleinerem Rahmen als in vielen anderen Ländern.
Das Mindestalter für die sexuelle Einwilligung liegt in Japan laut Strafgesetzbuch bei 13 Jahren, wobei die Regelungen je nach Präfektur variieren können. Eine weitere gesetzliche Bestimmung verbietet es jedoch, sexuelle Beziehungen zwischen Volljährigen und Minderjährigen unter 18 Jahren zu haben.
Sogar innerhalb der Schulzeit kann das Thema kompliziert sein, weil das japanische Recht unter Umständen die Zustimmung der Eltern verlangt. Einige Privatschulen versuchen, romantische Beziehungen zwischen Schülern zu unterbinden, um juristische Probleme zu vermeiden.

Die Konfrontation mit Sex in Japan
Für heftige Diskussionen im Internet sorgte unter anderem eine künstlerische Performance eines nackten Mannes, der Kinder als Publikum hatte. Das Ereignis löste zahllose Kontroversen aus. Pädophilie mit einer solchen künstlerischen Darbietung in Verbindung zu bringen halten wir persönlich für eine extreme Übertreibung.
Andererseits erschließt sich uns der Sinn dieser Darstellung nicht – von Kunst ganz zu schweigen. Es gibt in Japan durchaus Gesetze, die Nacktheit in der Öffentlichkeit einschränken; der Künstler wird daher vermutlich eine spezielle Genehmigung für die Aktion eingeholt haben. Abgesehen von solchen Einzelfällen greifen bestimmte Informationsnetzwerke das Thema Sexualität und Kinder immer wieder auf.
Diese Ereignisse führen zu tausenden Diskussionen. Kann Japan hier als Vorbild dienen? Kulturell ist es in Japan normal, dass Kinder und Erwachsene gemeinsam in einem Onsen (Thermalbad) baden – und zwar völlig unschuldig. Die Bäder sind zwar meist nach Geschlechtern getrennt, es gibt aber weiterhin gemischte Bäder, in denen Kinder nicht zugelassen sind.
Ein weiteres sehr bekanntes Ereignis ist das Kanamara-Matsuri, ein Fruchtbarkeitsfest, auf dem man überdimensionale Phalli, Objekte und sogar Speisen in Penisform findet. Trotzdem – oder gerade deshalb – sind japanische Kinder nicht pervers aufgewachsen. Im Gegenteil: Viele entdecken Sexualität erst im Erwachsenenalter.

Man geht davon aus, dass die stärkere Geschlechtertrennung in den Bädern durch den Einfluss westlicher Besucher entstand, die schockiert waren, Männer und Frauen unbekleidet und ohne jede erotische Handlung zusammen baden zu sehen – ein Anblick, der die Japaner dann dazu bewegte, die Bäder strikter nach Geschlechtern zu trennen.
Über Sex zu sprechen ist in Japan für manche ein Tabu – teils aus Schüchternheit, teils weil es als sehr persönliches Thema gilt. Es ist kulturell unüblich, sexualisierte Ausdrücke zu benutzen, wie man sie aus dem brasilianischen Slang kennt.
Der Einfluss der Sexmedien
Sexuelle Darstellungen sind in den japanischen Medien sehr präsent. Viele Japaner stören sich nicht daran, erotische Materialien in der Öffentlichkeit zu kaufen oder zu lesen. Das hängt auch damit zusammen, dass es in den japanischen Religionen kein Konzept der sexuellen Sünde gibt.
Ein kontroverses Thema ist die Darstellung von Minderjährigen in Medien, die Anime-Inhalte enthalten. Viele glauben, dass dies Pädophilie fördern könnte, aber dank der bestehenden Gesetzgebung ist die Zahl der Missbrauchsfälle niedrig. Die kulturelle Norm führt dazu, dass sich die extremsten Auswüchse auf den Diebstahl von Slips oder den Konsum extremer Produkte beschränken.

Nicht nur explizite Erwachsenen-Inhalte für Kinder sind verbreitet, auch in Anime-Serien, die sich an Jugendliche richten, gibt es oft sinnliche Szenen. Sogenannte Lolita-Darstellungen tauchen in vielen Serien in anzüglichen Posen auf – wackelnde Brüste und sichtbare Slips gehören beinahe zur Tradition. In Japan wird sinnliche Darstellung eher als Kunstform verstanden, sodass fast die Hälfte der Frauen solche Inhalte konsumiert.
Die japanische Regierung hat bereits mehrfach versucht, Erwachseneninhalte für Minderjährige in Manga und Anime stärker zu regulieren, stößt dabei aber auf eine große Lücke: Zeichner können problemlos ein höheres Alter angeben und den Figuren trotzdem ein kindliches Aussehen verleihen.
Befürworter argumentieren, dass gerade die Existenz solcher Materialien dazu beiträgt, dass die tatsächlichen Missbrauchszahlen in Japan niedrig bleiben. Die Unschuld und Sorglosigkeit, mit der viele Japaner an solche Themen herangehen, sorgt dafür, dass Inhalte, die im Westen als kontrovers gelten, in Japan oft als harmlos angesehen werden.
Die pornografischen Medien Japans unterscheiden sich deutlich von denen im Westen – bis hin zur berühmten Mosaik-Zensur im Genitalbereich. Zum Abschluss finden Sie unten weiterführende Artikel, die Ihnen helfen können, das Thema Sex in Japan noch besser zu verstehen.
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