Omamori [お守り] ist ein Amulett für den Wunsch nach Glück oder Segen. Du findest es in Tempeln und Schreinen in ganz Japan: ein kleiner bestickter Beutel, den man bei sich trägt.
Inhalt 12
Wie benutzt man ein Omamori?
Leg das Omamori in die Tasche, in den Geldbeutel, an den Rucksack oder als Anhänger ans Handy. Das für die Familie bleibt im Haus, das für den Verkehr im Auto. Selbst Leute, die nicht an den Segen glauben, benutzen es als Placebo. Ein fester Glaube ist keine Voraussetzung. An fast jedem Schrein und Tempel liegen welche aus, und in Japan ist so ein Beutel auch ein gewöhnliches Reiseandenken.
Omamori wurden im Shintoismus und im Buddhismus üblich. Im Beutel steckt meist ein Ofuda, ein Papierstreifen oder ein Holzplättchen mit Schriftzeichen. Man trägt damit eine Bitte für dieses Leben: Gesundheit, eine Prüfung, eine ruhige Fahrt.
Die Theke ist lang, weil der Wunsch oft sehr eng ist. Auf dem ersten Foto stehen 500 Yen für ein Liebesamulett und 1.000 Yen für den Kinderwunsch. An der Verkaufstheke weiter unten liegt ein Verkehrsschutz für 800 Yen. Als Spanne gelten oft 300 bis 1.000 Yen.

Unterschiede zwischen Omamori im Shintoismus und Buddhismus
Zwischen shintoistischen und buddhistischen Omamori liegt der Unterschied vor allem beim Haus: Name der Kami oder der buddhistischen Stelle, Schrift und Muster. Die Beutelform wiederholt sich, oft aus Seide oder Brokat, mit dem Namen des Orts und einer Schnur.
Öffne das Omamori niemals. Drinnen liegt das Ofuda, und der Brauch sagt, dass der Schutz mit dem Öffnen verbraucht ist. Ob am Rucksack oder in der Tasche: eine feste Vorschrift gibt es dafür nicht.
Priester und Miko, die Helferinnen am Schrein, erinnern daran, dass die Wirkung nach etwa einem Jahr oder zum Neujahr als verbraucht gilt. Manchmal auch früher, wenn der Anlass vorbei ist: die Prüfung geschrieben, die Reise zu Ende. Ein aufgedrucktes Datum hat der Beutel nicht.
Sobald ein Omamori „abgelaufen“ ist, gib es an den Schrein oder Tempel zurück, bei dem du es bekommen hast. Oft steht dort eine Box für alte Ofuda. Verbrannt wird es im rituellen Feuer, zusammen mit den anderen. Ein anderer Schrein oder Tempel nimmt es in der Regel auch an.

Arten von Omamori
Die übliche Form ist der rechteckige Beutel. Die Schrift auf Papier oder Holz trägt den Namen des Orts, einen kurzen Wunsch oder eine Zeile aus einer Sutra. Daneben gibt es Anhänger in anderer Gestalt: eine Glocke, ein Flaschenkürbis, ein Holzhaus, ein Paar Beutel. Ein selbst genähter Stoffbeutel bleibt ein Andenken. Das Omamori aus dem Schrein kommt mit eingesetztem Ofuda und wird geschlossen verkauft.
Unten stehen Arten, die du an vielen Theken findest. Das Wort auf dem Beutel ist meist genau der Zweck. Manche Häuser führen noch viel engere Wünsche. Rot siehst du bei der Liebe oft, Gelb beim Geschäft.

Kachimamori: der Talisman für ein Ziel
Kachimamori [勝守, gelesen かちまもり] liegt an vielen Schreinen aus, vor allem dort, wo es ums Gewinnen geht. Auf den Beuteln im Bild steht der Schriftzug neben einem Pfeil.
„Erfolg“ klingt erst einmal weit. Dieses Omamori ist enger: ein Wettkampf, eine Bewerbung, eine Sache, die du in diesem Jahr gewinnen willst.

Yakuyoke: das Amulett gegen Unglück
Der Unterschied zum Kachimamori liegt in der Richtung. Kachimamori gehört zum Vorhaben. Das Yakuyoke [厄除け] soll Unglück abwehren, das dir dazwischenkommen könnte, auch in einem Yakudoshi, einem Jahr, das nach dem japanischen Zählalter als Unglücksjahr gilt.
Wer sich von einem schlechten Lauf verfolgt fühlt, nimmt den Beutel mit und sucht damit etwas Erleichterung.
Shoubaihanjou: der Talisman fürs Geschäft
Der Shoubaihanjou [商売繁盛] wünscht, dass das Geschäft läuft. Die Beutel dazu sind oft gelb, einer liegt auf Yenscheinen, einer trägt eine winkende Katze. Ersparnisse und der Laden haben an manchen Theken noch eigene Amulette.
Ob diese Talismane helfen, dass dein Geldbeutel sein Geld zurückbekommt, ist dann schon zu viel verlangt.

Gakugyoujouju: Talisman fürs Lernen
Die Gakugyoujouju [学業成就] tragen Schüler im Rucksack, damit das Lernen über die Schulzeit vorankommt. Die einzelne Prüfung hat ein eigenes Amulett, goukaku kigan [合格祈願]. Auf dem hausförmigen Anhänger mit Daruma steht genau das. Daneben liegt ein Holzplättchen mit dem Fuji und dem Zeichen 勝.
Gakugyoujouju kann auch jemand nehmen, der nicht mehr zur Schule geht und trotzdem etwas lernen will.

Koutsuanzen: Amulett für sicheren Verkehr
Der Koutsuanzen [交通安全] hängt bei Fahrern, besonders bei Taxen, am Rückspiegel oder als Plakette an einer Kordel. Auch am Fahrrad sieht man ihn, wenn jemand ruhig durch den Verkehr kommen will.

Kaiun: Amulett für Glück ohne festen Auftrag
Die Kaiun [開運] wünschen Glück, ohne einen einzelnen Zweck zu nennen. Du findest sie leicht, oft als Souvenir, mit dem Namen des Schreins und sonst wenig Text. Der orangefarbene Beutel trägt 開運, und derselbe Schriftzug steht auf den Kärtchen hinter den gehäkelten Anhängern.
Wenn du keinen einzelnen Wunsch hast, nimm Kaiun als Andenken an den Schrein mit.

Shiawase: Amulett des Glücks
Das Omamori mit der Aufschrift Shiawase [幸せ] benutzt das Alltagswort für Glück. Es ist breiter als der Geldbeutel: Gesundheit, Leute um dich, ein Tag, der sich lohnt. Auf den hellen Beuteln steht 幸せ御守, auf dem schwarzen Holzplättchen 幸せ unter Kirschblüten.
Die Kasse hat mit Shoubaihanjou einen eigenen Beutel. Shiawase nennt keinen einzelnen Bereich.

Kenkou: Amulett der Gesundheit
Kenkou [健康] gilt der Gesundheit: Schutz, Vorbeugen, das Wiederkommen nach einer Krankheit. Auf den orange-weißen Beuteln steht 健康守, dazu eine Schildkröte.
Für sexuelle Kraft gibt es ein anderes Amulett. Der Taga-Schrein in Uwajima auf Shikoku verkauft eines, in dem statt eines Ofuda ein kleiner goldener Penis steckt. Leichte Geburt und Eheglück sind Anliegen am Kanayama-Schrein in Kawasaki. Dessen Kanamara Matsuri findet seit der Wiederbelebung 1969 am ersten Sonntag im April statt.

Enmusubi und Anzan: Amulette der Liebe und der Geburt
Zur Liebe gibt es mehrere Omamori. Enmusubi [縁結び] heißt Bande knüpfen: eine romantische Beziehung, eine Ehe, manchmal auch eine andere wichtige Verbindung zwischen Menschen. Der Name hängt mit dem roten Faden des Schicksals zusammen.
Den Wunsch schreibst du auf ein Ema, eine kleine Holztafel am Gestell des Schreins. Manche Liebes-Ema nehmen einen Namen auf. Das Omamori selbst bleibt geschlossen. Oberschüler holen sich Enmusubi oft, um eine Beziehung festzuhalten. Für Verheiratete gibt es größere und doppelte Beutel, damit das Paar die Ehe schützt.

Für das Haus gibt es Kanai-anzen [家内安全], Sicherheit für die Leute, die dort leben. Den Beutel stellt man zu Hause auf.
Das Amulett zur Geburt heißt Anzan [安産] und bedeutet eine leichte, sichere Geburt. Auf der Tafel am Anfang steht daneben auch ein Kosazuke-mamori für den Kinderwunsch, 子授け守. Anzan kommt, wenn das Kind schon unterwegs ist. Nimm eines für den Wunsch, den du gerade hast.






Community
Kommentare
0 Kommentare
In dieser Sprache gibt es noch keine veröffentlichten Kommentare.
Kommentar senden