13 japanische Hunderassen: Shiba, Akita und seltene Nihon Ken

13 japanische Hunderassen: Shiba, Akita und seltene Nihon Ken

Sechs davon sind Naturdenkmäler. Andere überleben nur noch in winzigen Beständen.

Wer Japan nur über Katzencafés und Maneki-neko kennt, übersieht die andere Hälfte. Auf den Inseln lebt eine der geschlossensten Hundefamilien der Welt: stehende Ohren, geringelte Rute, ein Blick, der eher prüft als bettelt.

Den Shiba Inu kennt inzwischen jedes Feed. Weniger sichtbar bleibt, dass sechs einheimische Rassen in Japan als Naturdenkmäler gelten – und dass neben ihnen Schoßhunde des Kaiserhofs, ein Kampfhund aus Kōchi und ein Schlittenhund existieren, von dem fast niemand mehr übrig ist.

Inhalt 14

Nihon Ken: sechs Naturdenkmäler, viele andere Geschichten

Als Nihon Ken (日本犬, „japanische Hunde“) gelten sechs Rassen: Shiba, Akita, Kishu, Shikoku, Hokkaido und Kai. Sie stehen unter Schutz als Naturdenkmäler und gehören zur Familie der urtümlichen Spitze. Chin, Japan-Spitz, Terrier, Tosa, Karafuto Ken, Ryukyu und Sanshu stammen ebenfalls aus Japan, haben aber andere Wege hinter sich: Hof, Kreuzung, Schlitten, Inseln im Süden.

Die sechs Nihon Ken sind Naturdenkmäler. Der Rest dieser Liste zeigt, wie breit „japanischer Hund“ wirklich ist – vom Hofbegleiter bis zum fast verschwundenen Schlittenhund.

1. Shikoku Inu – der Hund aus Kōchi

Der Shikoku Inu (四国犬) kommt aus der bergigen Präfektur Kōchi auf der Insel Shikoku. Die Region war lange schwer erreichbar, deshalb gilt die Rasse als eine der reineren Linien: Kreuzungen mit anderen Hunden waren schlicht seltener. Ursprünglich jagte er Wild in steilem Gelände. Seit 1937 ist er Naturdenkmal.

Im Haus ist der Shikoku oft anhänglich gegenüber den eigenen Leuten. Mit Kindern klappt das besser, wenn er von klein auf mit ihnen lebt; fremde Hände prüft er eher. Rüden stehen meist zwischen 49 und 55 Zentimetern und wiegen 16 bis 25 Kilo. Typisch sind Sesamfarben: rot, schwarz oder klassisches Sesam. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 10 bis 12 Jahren.

Shikoku Inu mit sesamfarbenem Fell, stehenden Ohren und geringelter Rute

2. Hokkaido Inu – der Hund des Nordens

Der Hokkaido (北海道犬), auch Ainu-Ken genannt, geht auf mittelgroße Jagdhunde zurück, die mit Menschen von Honshū nach Hokkaido kamen – in der Kamakura-Zeit, also im 12. bis 14. Jahrhundert, nicht erst im 17. Jahrhundert. Kälte, Schnee und Bärenjagd haben die Rasse geformt. Seit 1937 ist auch sie Naturdenkmal.

Hokkaidos gelten als wach, mutig und ungewöhnlich ortstreu: Wer sich verläuft, findet oft allein zurück. Das dichte Fell hält schwarz, weiß, schwarz-loh, sesamfarben oder rot. Die Schulterhöhe liegt um 48 Zentimeter, das Gewicht meist zwischen 20 und 30 Kilo.

Hokkaido Inu mit dichtem Fell, aufrecht in winterlicher Landschaft

3. Tosa Inu – der größte Hund Japans

Der Tosa (土佐犬) entstand in der alten Provinz Tosa, dem heutigen Kōchi, als im 19. Jahrhundert einheimische Hunde mit westlichen Rassen gekreuzt wurden: Mastiff, Deutsche Dogge, Bulldogge und andere schwere Typen. Ziel war der Hundekampf, nicht ein weiterer Nihon Ken. Deshalb ist der Tosa der größte Hund japanischer Herkunft: oft über 60 Zentimeter, 45 bis 90 Kilo.

In der Familie kann er ruhig und anhänglich sein, Fremden gegenüber bleibt er misstrauisch. Das kurze Fell kommt in Schwarz, Falbfarben, Gestromt oder Rot. In mehreren deutschen Bundesländern steht der Tosa auf der Liste der gefährlichen Hunde – wer ihn halten will, muss lokale Regeln prüfen, nicht nur den Charakter der Rasse.

Großer Tosa Inu mit kurzem, falbfarbenem Fell und kräftigem Kopf

4. Kishu Inu – Wildschweinjäger aus Kishū

Der Kishu (紀州犬) stammt aus den Bergen von Wakayama und Mie, der alten Region Kishū. Wegen seines Muts jagte er Wildschweine und anderes Wild, das größer war als er selbst. Seit 1934 ist er Naturdenkmal. Die oft wiederholte Zahl „3000 Jahre“ lässt sich so nicht belegen; fest steht die regionale Jagdgeschichte, nicht ein exaktes Geburtsjahr.

Heute sieht man vor allem weiße Kishu, obwohl früher auch Gestromt, Sesam und Rot vorkamen. Schulterhöhe 49 bis 55 Zentimeter, Gewicht etwa 19 bis 27 Kilo. Im Haus wirken sie oft geduldig und wach – gute Begleiter, aber keine Sofahunde ohne Arbeit.

Weißer Kishu Inu mit stehenden Ohren und geringelter Rute

5. Kai Ken – der Tigerhund aus Yamanashi

Der Kai Ken (甲斐犬), auch Kai Tora-Ken, kommt aus dem alten Bezirk Kai in Yamanashi. Das gestromte Fell hat ihm den Beinamen Tigerhund gegeben. Die Hunde jagten im Rudel Wildschwein und Hirsch und klettern ungewöhnlich sicher im Gelände. Seit 1934 Naturdenkmal.

Weil sie sich eng an ihre Gruppe binden, blieb die Linie lange regional geschlossen. Heute leben Kai Ken auch als Wach- und Begleithunde. Schulterhöhe 45 bis 56 Zentimeter, Gewicht 14 bis 18 Kilo, Lebenserwartung oft 14 bis 16 Jahre. Das Fell erscheint dunkel-, grau- oder rotgestromt.

Kai Ken mit dunkel gestromtem Fell, dem sogenannten Tigerzeichnungsmuster

6. Der Japan-Spitz

Beim Japan-Spitz (日本スピッツ) ist die Herkunft nicht restlos geklärt. Die plausibelste Linie führt über nordische Spitze und den Deutschen Großspitz nach Japan, nicht über den American Eskimo als Hauptquelle. 1948 entstand ein japanischer Standard, seit 1964 erkennt die FCI die Rasse an. Er ist Begleithund, kein Jäger.

Weißes, stehendes Fell, ein fast lächelnder Ausdruck, viel Bewegungsdrang. Rüden 30 bis 38 Zentimeter, Hündinnen 25 bis 35. Die Lebenserwartung reicht oft von 10 bis 16 Jahren. Intelligent, anhänglich, verspielt – und lauter, als das Wolkenbild vermuten lässt.

Weißer Japan-Spitz mit üppigem Fell und geringelter Rute

7. Der japanische Terrier

Der japanische Terrier (日本テリア, Nihon Teria oder Nippon Terrier) geht auf kurzhaarige Terrier zurück, die Niederländer im 18. Jahrhundert nach Japan brachten. Als eigene Rasse formte er sich erst um 1920. „Nihan“ ist ein Schreibfehler; der Name ist Nihon.

Klein, kurzhaarig, schwarz-weiß oder dreifarbig. Die Höhe liegt meist zwischen 30 und 33 Zentimetern, das Gewicht um 2 bis 5 Kilo. Er bleibt wach und lebhaft, gilt aber als guter Familienhund, wenn man ihm Beschäftigung gibt.

Japanischer Terrier mit kurzem schwarz-weißem Fell

8. Japan Chin

Der Japan Chin (狆) ist der Hofhund der Edo-Zeit: klein, seidig, eher still. Wer in einer Wohnung lebt und keinen Jäger sucht, findet hier das Gegenstück zu Shikoku und Kai. Schwarz-weiß oder rot-weiß, lange Behänge an den Ohren, eine stark behaarte Rute.

Chin gelten als aufmerksam, anhänglich und katzenähnlich im Gang. Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 16 Jahren, das Gewicht oft zwischen 1,5 und 7 Kilo. FCI-Name ist Japan Chin, nicht „japanischer Spaniel“ – auch wenn ältere Texte ihn so nennen.

Japan Chin mit langem schwarz-weißem Fell und kurzer Schnauze

9. Karafuto Ken – der Sakhalin Husky

Der Karafuto Ken (樺太犬), international Sakhalin Husky, war Schlittenhund auf Sachalin. In Japan ist die Linie praktisch erloschen: Um 2011 waren dort nur noch zwei Tiere bekannt. Auf der Insel selbst gilt die Landrasse weiter als vom Aussterben bedroht; einzelne Züchter versuchen, sie zu halten.

Berühmt wurde die Rasse durch Taro und Jirō, zwei Hunde der japanischen Antarktisexpedition, die 1958 fast ein Jahr an der Shōwa-Station überlebten. Schulterhöhe 56 bis 66 Zentimeter, Gewicht 30 bis 40 Kilo. Farben: Schwarz, Creme, Dunkelrot, Keks.

Sakhalin Husky mit dichtem Fell, der auch Karafuto Ken genannt wird

10. Akita Inu

Den Akita Inu (秋田犬) kennen viele durch Hachikō, der in Shibuya jahrelang auf seinen verstorbenen Halter wartete. Die Rasse stammt aus der Präfektur Akita, besonders aus Ōdate, und wurde 1931 Naturdenkmal. Ursprünglich jagte sie Großwild; später wurde sie zum Symbol für Treue.

Akitas sind groß: 64 bis 70 Zentimeter, 34 bis 54 Kilo. Das Fell erscheint weiß, sesamfarben oder rotfalb, oft mit Urajiro, den hellen Unterseiten. Im Haus können sie ruhig und wachsam sein. Mit anderen Hunden klappt es oft schlecht, weil sie territorial bleiben. Die Lebenserwartung liegt bei 10 bis 12 Jahren. Die Geschichte von Hachikō erklärt, warum der Akita außerhalb Japans so sichtbar wurde.

Akita Inu mit dickem rotfalbem Fell und geringelter Rute

11. Shiba Inu

Der Shiba Inu (柴犬) teilt mit dem Akita Ohren, Rute und den stolzen Blick. Der Unterschied sitzt in der Größe und im Temperament: Der Shiba ist der kleinste Nihon Ken, unabhängiger, oft eigensinniger. In Japan ist er die mit Abstand häufigste einheimische Rasse. Seit 1937 Naturdenkmal.

Schulterhöhe etwa 35 bis 43 Zentimeter, Gewicht rund 8 bis 11 Kilo. Rot, schwarz-loh, sesamfarben – immer mit dem hellen Urajiro. Wer Akita und Shiba nebeneinander lesen will, findet den Vergleich im Text über Akita Inu und Shiba Inu.

Roter Shiba Inu mit Urajiro-Zeichnung, stehenden Ohren und geringelter Rute

12. Ryukyu Inu

Der Ryukyu Inu (琉球犬) kommt von den südlichen Inseln, vor allem Okinawa und Ishigaki. 2015 schätzte man den Bestand auf etwa 400 Tiere. Die Rasse steht nicht unter dem Schirm der Nihon Ken Hozonkai, sondern der Ryukyu Inu Hozonkai; 1995 wurde sie Naturdenkmal der Präfektur Okinawa.

Äußerlich erinnert er an den Kai Ken, genetisch steht er dem Hokkaido näher. In Yanbaru jagte er Wildschweine, oft im Rudel. Manche Tiere haben Afterkrallen an den Hinterläufen und klettern erstaunlich sicher. Außerhalb Okinawas sieht man ihn fast nie.

Zwei Ryukyu Inu aus Okinawa mit gestromtem Fell

13. Sanshu Inu

Der Sanshu (三州犬) entstand ab 1912 auf Honshū, benannt nach der alten Provinz Sanshū, dem heutigen Aichi. Gekreuzt wurden Chow Chow und mittelgroße einheimische Hunde. Die FCI führte ihn zeitweise unter der Nummer 258; 1988 beantragte der Japanische Kennel Club die Streichung, weil er die Rasse als Mischling wertete.

Es gibt zwei Größen: etwa 40 bis 46 und 51 bis 60 Zentimeter. Das dichte Fell kommt in Rot, Schwarz, Loh und Scheckung. In Japan ist der Sanshu als Familienhund bekannter als im Ausland, wo er selten auftaucht. Sanft, loyal, im Alltag unaufgeregt – das Gegenteil des Tosa, obwohl beide „japanische Hunde“ heißen.

Sanshu Inu mit dichtem Fell, ähnlich einem kleineren Akita

Shiba und Akita tragen die Rassen nach draußen. Kishu, Kai und Shikoku halten die Jagdgeschichte der Berge. Chin und Spitz erzählen vom Haus. Tosa, Karafuto Ken, Ryukyu und Sanshu zeigen, dass „japanischer Hund“ kein einziges Gesicht hat – und dass manche Gesichter fast verschwunden sind.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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