Im Hochsommer in Japan steigen die Temperaturen so weit, dass selbst heiße Ramen plötzlich unvernünftig wirken. Dann tauchen in Restaurants, Supermärkten und Bentō-Regalen bunte Schalen mit kalten Nudeln auf – und mittendrin ein Klassiker, den man auf den ersten Blick für einen Salat halten könnte.
Die Rede ist von Hiyashi Chuka (冷やし中華): gekühlte chinesische Eiernudeln, knackige Beläge in feinen Streifen und eine säuerlich-süße Sauce, die den Teller frisch macht, ohne schwer zu wirken. Wer Somen oder Zaru Soba mag, landet hier bei der Ramen-Variante des kalten japanischen Sommers.
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Was bedeutet Hiyashi Chuka?
Der Name lässt sich wörtlich mit „gekühlte chinesische (Küche)“ übersetzen. Trotz des Beinamens ist das Gericht in Japan entstanden: In chinesischen Restaurants der 1930er- und 1940er-Jahre suchte man nach einer leichten Alternative zur heißen Nudelsuppe. Bis in die 1960er setzte sich Hiyashi Chuka landesweit als Sommergericht durch.
Regional ändert sich oft nur der Name. In Hokkaidō bestellt man häufig Hiyashi Ramen, in Teilen der Kansai-Region eher Reimen – die Idee bleibt: kalte Nudeln, bunte Toppings, leichte Sauce.
Was kommt auf die Nudeln?
Klassisch sind feine Streifen von Gurke, Ei (Kinshi-Tamago oder dünnes Tamagoyaki), Schinken und Tomate. Dazu passen geraspelte Karotte, Frühlingszwiebel, Ingwer, Surimi (Kanikama), Garnelen, Hähnchen oder Schwein – je nach Vorrat und Laune. Das Auge isst mit: Die Beläge werden oft farbenfroh angeordnet, bevor die Sauce darüber kommt.
Wer noch mehr Nudelarten im Überblick will, findet bei uns auch einen Überblick zu 15 Arten von japanischen Nudeln. Für kalte Soba mit Eintauchsoße lohnt sich der Blick auf Zaru Soba.
Zwei Saucen-Richtungen
In Japan begegnen einem vor allem zwei Familien:
- Soja-Essig-Sauce (tare) – hell, säuerlich-süß, oft mit Reisessig, Shoyu, etwas Zucker und Brühe oder Wasser; manchmal mit Zitronen- oder Ingwernote.
- Sesam-Sauce (gomadare) – cremiger und nussiger, mit geröstetem Sesam oder Sesampaste.
Fertige Hiyashi-Chuka-Saucen aus dem Asia-Markt sind legitim und sparen Zeit. Selbst gerührt schmeckt sie frischer und lässt sich in Süße und Säure anpassen.
Einfaches Rezept für Hiyashi Chuka
Die Grundidee ist simpel: Nudeln kochen, in Eiswasser abschrecken, Beläge in Streifen schneiden, Sauce mischen, anrichten. Für das Ei lohnt ein dünnes Omelett – mehr dazu bei Tamagoyaki.
Zutaten (ca. 2 Portionen)
- Ramen- oder chinesische Eiernudeln (2 Portionen);
- dünnes Omelett / Kinshi-Tamago (in Streifen);
- 1 kleine Gurke (Julienne);
- 1 Karotte (geraspelt oder in feinen Streifen);
- 2–3 Scheiben Schinken (in Streifen);
- Frühlingszwiebeln (fein geschnitten);
- etwas Surimi/Kanikama (zerfasert, optional);
- optional: Tomate in Spalten, Beni Shoga, etwas Karashi-Senf.
Sauce (Soja-Essig-Basis)
- 2 EL Sesamöl
- ½ Tasse Hühnerbrühe (oder Wasser mit etwas Bouillon)
- 3 EL Reisessig
- 3 EL Shoyu (Sojasauce)
- ½ EL Zucker
Alles gut verrühren; wer mag, püriert die Sauce kurz für eine glattere Textur. Süße und Säure nach Geschmack justieren.
Zubereitung
- Beläge waschen und in feine Streifen schneiden; Omelett dünn braten, abkühlen lassen und in Streifen schneiden.
- Sauce anrühren und kalt stellen.
- Nudeln nach Packungsanleitung kochen, abgießen und sofort in kaltem oder Eiswasser spülen, bis sie richtig abgekühlt sind. Gut abtropfen lassen – so bleiben sie bissfest und nehmen die Sauce besser an.
- Nudeln in Schalen anrichten, optional mit einem Tropfen Sesamöl mischen, damit sie nicht verkleben.
- Beläge farbenfroh darauf verteilen und die Sauce darüber gießen. Nach Wunsch mit Beni Shoga oder einem Tupfer Senf abschließen.
Einige Zutaten sind optional: Die Nudeln lassen sich nach Belieben belegen. Fühlen Sie sich frei, etwas wegzulassen oder zu ersetzen – Hiyashi Chuka lebt von Vorrat und Saison.
Servier-Tipps
Hiyashi Chuka muss nicht eiskalt sein, aber die Zutaten sollten kühl oder abgekühlt sein. Die Sauce erst kurz vor dem Essen dazugeben, damit die Nudeln nicht zu weich werden. Im Sommer findet man in Japan fertige Sets und Instant-Varianten im Konbini – zu Hause schmeckt die frische Version trotzdem am besten, weil Gurke und Ei knackig bleiben.
Wenn die Hitze draußen sitzt und heiße Brühe keine Option ist, ist diese bunte Schale genau der Kompromiss: Ramen-Biss, Salat-Frische und eine Sauce, die man in zwei Minuten mischt.
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