Viele Touristen stellen sich ihr Nachtleben in Japan so vor: Sie kommen nach Tokio, gehen durch Kabukicho und reißen einfach jemanden auf. Andere wollen weitergehen und spezielle Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Die Neonkulisse liefert genau dieses Bild. Was sie selten zeigt, ist der Moment danach — wenn jemand freundlich auf Englisch von der Straße winkt und die Rechnung erst kommt, wenn Sie schon sitzen.
Je nach Absicht für die Nacht sollten Sie mit Freunden unterwegs sein. In den meisten Fällen müssen Sie sich keine Sorgen um Gewalt machen: Japan bleibt ein sicherer Ort, und Clubs, Showhäuser, Hostess-Clubs und Love Hotels gehören zum normalen Nachtleben. Das große Problem der Rotlichtviertel ist ein anderes. Sie sind voll von Leuten mit Hintergedanken, die versuchen, Ihr Geld herauszuziehen — Japaner und Ausländer.
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Kundenfänger: gehen Sie nicht mit
Wer nachts durch Shinjuku, Roppongi oder ähnliche Ausgehviertel läuft, wird oft angesprochen. Im Japanischen heißen diese Anwerber Kyakuhiki (客引き): Sie versprechen günstige Drinks, „English OK“ oder ein Lokal, das bei Ausländern beliebt sei. Die Tokioter Polizei und das Auswärtige Amt raten dasselbe: Folgen Sie niemandem von der Straße in eine Bar.
Seriöse Lokale müssen niemanden vom Bürgersteig holen. Wer mit einem Laminat-Menü vor Ihnen hergeht, den Weg versperrt oder Sie persönlich „einlädt“, arbeitet oft auf Provision. In Shinjuku ist aggressives Kundenfangen per Verordnung verboten — trotzdem sieht man es. Die einfache Regel: weitergehen, nicht diskutieren, und wenn jemand hartnäckig bleibt, zum nächsten Kōban (交番) laufen, dem Polizeikasten.
Auch in Akihabara tauchen solche Anwerber auf. Das Viertel ist kein Rotlichtquartier, aber der Trick ist derselbe: Freundlichkeit zuerst, Rechnung später.
Preise, Otoshi und Bottakuri
Die Preise in diesen Vierteln schwanken je nach Dienstleistung, Größe des Clubs und Qualität der Begleitung. Es gibt Bars, die schon bei 7.000 Yen landen, ohne dass alle Getränke inklusive sind. Spezielle Shows überschreiten leicht 10.000 Yen. Wer wirklich eine Dienstleistung will, sollte mehr als 20.000 Yen einplanen — und das nur in einem Lokal, dessen Preis Sie vorher gesehen haben.
Verdächtige Leute sprechen Touristen auf der Straße an und bieten günstige Optionen an, zumindest lassen sie es so aussehen. Auch wenn der Preis günstig klingt, seien Sie vorsichtig: Zusätzliche Gebühren landen oft erst auf der Rechnung. Manchmal heißt es 15.000 Yen, am Ende stehen 20.000 Yen da, mit einer angeblichen Pflichtgebühr für Neulinge.
In Japan heißt diese Masche Bottakuri (ぼったくり): Abzocke über die Rechnung. Typisch sind Tischgebühren, Getränke fürs Personal, Zeitsätze, die niemand erklärt hat, und Drinks zu mehreren tausend Yen. Nicht jede Sitzgebühr ist Betrug. In normalen Izakayas und Bars ist ein Otoshi (お通し) von ein paar hundert Yen üblich — ein kleiner Happen plus Platzgebühr, wenn er auf der Karte steht. Fünftausend Yen nur für den Sitz, ohne vorherige Angabe, ist etwas anderes.
Es gab Fälle, in denen Gäste nach einem versprochenen günstigen Abend mit Rechnungen in sechsstelliger Yen-Höhe konfrontiert wurden. Wer nicht zahlte, wurde bedroht oder zum Geldautomaten begleitet. Das ist kein Missverständnis über japanische Etikette. Das ist Druck.
Hostessen, Dates und die gesetzliche Grauzone
Verdächtige Anwerber betrügen auch anders: Plakate mit jungen, hübschen Frauen, drinnen eine ganz andere Person.
Frauen müssen vorsichtig sein, Männer ebenfalls. Ausländer fallen in Japan auf, und die Sprachbarriere macht es leichter, eine Situation falsch zu lesen. Das gilt für Bars, für Dates und für Love Hotels.
In Japan verbietet das Prostitutionsverhütungsgesetz von 1956 den Geschlechtsverkehr mit einer unbestimmten Person gegen Entgelt. Trotzdem hören Besucher ständig von Angeboten. Der Grund ist eine enge gesetzliche Definition: Viele Betriebe der Unterhaltungsbranche verkaufen Zeit, Gespräch, Baden oder andere Dienstleistungen und bleiben damit — zumindest auf dem Papier — außerhalb dieser Definition. Das macht die Branche nicht frei im westlichen Sinn, und es macht Straßenanwerbung nicht sicherer. Wer annimmt, alles sei erlaubt, sobald jemand „Date“ sagt, liegt falsch.
Genau in dieser Grauzone entstehen Angebote, bei denen Frauen nur zum Reden mitgehen, ohne sexuelle Handlungen — und Angebote, die etwas anderes versprechen, als sie halten. Mehr dazu steht bei Enjo Kōsai. Hostess-Clubs gehören zu diesem System: Sie zahlen für Aufmerksamkeit, nicht für ein stillschweigendes Extra.
Seien Sie auch vorsichtig mit der Yakuza. Sie ist in Nachtvierteln wie Kabukicho historisch präsent, weil dort Geschäfte laufen. Sie müssen nicht vor jedem Passanten mit Tattoo Angst haben. Lassen Sie aber den Mythos, die Yakuza sei eine offiziell anerkannte Organisation, die mit der Polizei den Frieden organisiert. Für den Staat sind das Bōryokudan (暴力団), Gewaltgruppen unter dem Anti-Banden-Gesetz. Unruhestifter werden nirgendwo gern gesehen — weder von der Polizei noch von Leuten, die das Viertel als Territorium behandeln. Seien Sie kein Unruhestifter.
Kabukicho, Nakasu, Susukino — und wo es ruhiger ist
Achten Sie darauf, nicht an Orte zu gehen, die für Ausländer verboten sind. Sie sind oft gekennzeichnet, aber in dem Lichtermeer findet man die Schilder nicht immer. Manche Lokale verlangen Japanischkenntnisse, bevor Sie hineinkommen. Wenn die Tür zu ist, zwingen Sie sie nicht auf.
Wer ein bekanntes Rotlichtviertel sucht: Kabukicho in Tokio, Nakasu in Fukuoka, Susukino in Sapporo und Tobita Shinchi in Osaka. Es ist nicht gefährlich im Sinne von Straßenraub. Es ist unübersichtlich. Das Auswärtige Amt nennt außerdem Roppongi, Shibuya und Ikebukuro, vor allem wegen Betrug und K.-o.-Tropfen in Ausgehvierteln.
Wenn Sie ein einfacheres Nachtleben ohne diese Sorgen wollen, gibt es in ganz Japan Viertel mit Izakayas, Karaoke-Ketten und kleinen Bars, in denen die Preise an der Tür stehen. Golden Gai neben Kabukicho ist ein Beispiel für Mini-Bars mit klarer, oft kleiner Cover-Gebühr — und mit Türen, die „nur Stammgäste“ meinen, wenn kein englisches Menü draußen hängt. Wohnviertel wie Kichijōji sind für einen Drink deutlich entspannter als die Straße unter dem roten Kabukicho-Tor.
Wenn die Rechnung explodiert
Bevor Sie sich setzen: Preis an der Tür oder auf der Karte. Zeitlimit und was inklusive ist, klären. Kein Lokal, das seine Preise versteckt, verdient Ihr Vertrauen.
Nehmen Sie nur so viel Bargeld mit, wie Sie an dem Abend ausgeben wollen. Lassen Sie Getränke nicht unbeaufsichtigt, und nehmen Sie nichts von Fremden an — auch keinen Kaugummi und keine Zigarette. Das klingt pedantisch, steht aber in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts aus einem konkreten Grund.
Wenn die Rechnung absurd wird: ruhig bleiben, eine Einzelauflistung verlangen, nicht die Kreditkarte in die Hand geben. Wenn man Sie nicht gehen lässt, ist das keine Preisdiskussion mehr. Wählen Sie 110. Sie brauchen kein perfektes Japanisch. Ein Satz reicht: Ryōkin-toraburu desu. Mise kara kaeremasen — Gebührenstreit, ich komme nicht aus dem Laden. In Kabukicho gibt es in der Nähe des Tores und des Godzilla-Kopfs Polizeipräsenz; gehen Sie dorthin, statt auf der Straße zu verhandeln.
Und Sie müssen vor dem Viertel keine Angst haben, nur weil dieser Text die Fallen beschreibt. Die Hauptstraßen sind voller Menschen und Touristen, hell und belebt. Wer nur spazieren will und in bekannte Bars mit sichtbaren Preisen geht, kann das ohne Drama tun. Die Gefahr des Nachtlebens in Japan ist selten der dunkle Gang. Es ist der freundliche Typ, der schon weiß, wohin Sie einfach nur schnell mitkommen sollen.
Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.
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