Wenn im deutschen Fernsehen um Mitternacht das Programm endet, läuft in Japan oft noch die 25. Stunde. Die Frage „Wie spät ist es in Japan?“ klingt simpel – und öffnet doch eine Welt aus Zeitzone, Alltag und einer kleinen kulturellen Eigenheit.
Für Anrufe nach Tokio, Zugtickets und späte Fernsehprogramme zählt die Japan Standard Time. Sie gilt im ganzen Land gleich und taucht dort auf, wo die Uhr formal weiterzählt, obwohl der Kalendertag schon gewechselt hat.
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Wie spät ist es in Japan? Japanische Standardzeit
Die Zeit in Japan heißt JST (Japan Standard Time), auf Japanisch Nihon Hyōjunji (日本標準時). Die Zeitzone ist UTC+9. Es gibt keine Sommerzeit – das ganze Jahr über gilt derselbe Offset.
Zeitunterschied zu Deutschland: Im Winter (MEZ, UTC+1) liegt Japan 8 Stunden voraus. Im Sommer (MESZ, UTC+2) sind es 7 Stunden. Wenn es in Berlin 15:00 Uhr ist, sind es in Tokio im Winter 23:00 Uhr und im Sommer 22:00 Uhr.
Dieselbe Standardzeit teilen sich unter anderem Südkorea und der russische Ort Jakutsk. In Indonesien gilt UTC+9 nur im Osten des Landes (WIT), nicht flächendeckend. Der Sonnenaufgang und der Sonnenuntergang verschieben sich regional – die gesetzliche Uhrzeit bleibt dennoch überall JST.

Die Zeit in Japan geht über 24:00 hinaus
Im Alltag nutzen Japanerinnen und Japaner 12- und 24-Stunden-Angaben. In Fernsehprogrammen, an Bahnhöfen und bei manchen Betrieben geht die Uhr jedoch über Mitternacht hinaus: aus 1:00 Uhr wird oft 25:00.
Der Grund ist praktisch. Wer abends um 21:00 einschaltet und bis in die Nacht schaut, soll denselben „Programmtag“ erkennen. Statt „von 21:00 bis 1:00 am nächsten Tag“ liest man „von 21:00 bis 25:00“. So bleibt klar, dass die Sendung zur gleichen Abendschiene gehört.
Ähnliche 25-Stunden-Angaben finden sich auch in anderen Ländern, wenn Öffnungs- oder Fahrzeiten über Mitternacht laufen. In Japan sieht man sie im Fernsehen, im Radio, an Stationen, bei Shows, in Geschäften, Hotels, Theatern und sogar in Onsen und Badehäusern.

Geschichte der Uhrzeiten und Uhren in Japan
Vor der Meiji-Zeit (1868–1912) orientierte sich die Zeit in vielen Regionen an der Sonne vor Ort. Mit dem Eisenbahnverkehr wurde das unpraktisch: Züge, die nach der Tokioter Uhr fuhren, kamen in Osaka oft mit rund 20 Minuten Verspätung an – nicht wegen der Strecke, sondern wegen der lokalen Zeitdifferenz.
1886 legte eine Verordnung den Meridian fest; ab dem 1. Januar 1888 galt die Standardzeit auf 135° Ost (UTC+9). Die Stadt Akashi in der Präfektur Hyōgo liegt genau auf diesem Meridian und gilt als „Stadt der Zeit“.
Nach der Annexion Taiwans 1895 gab es zeitweise zwei Zonen: die zentrale Standardzeit (UTC+9) und die westliche (UTC+8) für Teile Okinawas und Taiwan. Die westliche Zone endete 1937. Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen besetzte Gebiete wie Singapur und Malaya vorübergehend die japanische Zeit und kehrten danach zur eigenen Zeitzone zurück.
Uhren gibt es in Japan seit der Mitte des 7. Jahrhunderts in Form von Wasseruhren. In der Edo-Zeit entstand die traditionelle mechanische Uhr Wadokei (和時計), beeinflusst von europäischen Laternenuhren und einem saisonalen Zeitsystem.

Wie spät ist es in Tokio, Osaka oder Okinawa?
Die gesetzliche Zeit ist im ganzen Land dieselbe – ob Tokio, Osaka oder Okinawa. Es gibt keinen internen Zeitunterschied wie zwischen Bundesländern mit unterschiedlichen Zonen.
Okinawa liegt weiter südlich und hat längere Sonnenstunden, aber die Uhren laufen auf JST. Historisch nutzten westliche Inseln Okinawas zeitweise die westliche Standardzeit (UTC+8); seit 1937 gilt auch dort die landesweite Zeit. Heute fragt man „Wie spät ist es in Okinawa?“ und bekommt dieselbe Antwort wie in Tokio – nur der Sonnenstand fühlt sich anders an.
Wer den Aufenthalt plant, merkt den Unterschied eher am Klima und am Tageslicht als an der Uhr. Mehr dazu bei den Jahreszeiten und dem Klima in Japan und in der Übersicht Reisezeit und Wetterhöhepunkte.
Die traditionelle japanische Zeit
Die traditionelle Zählung kannte sechs „Stunden“ von 9 bis 4, rückwärts von Mittag bis Mitternacht. Die Zahlen 1 bis 3 blieben aus religiösen Gründen ungenutzt, weil sie im buddhistischen Gebet eine Rolle spielten.
Die Zählung rückwärts hängt mit frühen Messmethoden zusammen, etwa Räucherwerken, die abbrennen. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang galten als sechste Stunde. Traditionelle Uhren trugen oft die Symbole des chinesischen Tierkreises:
| Tageszeichen | Nachtzeichen | Zahl | Bezug |
|---|---|---|---|
| 卯 Hase | 酉 Hahn | 六 6 | Sonnenaufgang / Sonnenuntergang |
| 辰 Drache | 戌 Hund | 五 5 | — |
| 巳 Schlange | 亥 Schwein | 四 4 | — |
| 午 Pferd | 子 Ratte | 九 9 | Mittag / Mitternacht |
| 未 Ziege | 丑 Ochse | 八 8 | — |
| 申 Affe | 寅 Tiger | 七 7 | — |
Japaner halten sich genau an die Zeit
Pünktlichkeit ist im Alltag spürbar. Züge sind für Minuten- und oft Sekundengenauigkeit bekannt; Geschäfte und Restaurants öffnen und schließen in der Regel zur angekündigten Zeit. Zu spät zu kommen gilt als unhöflich und wird möglichst vermieden.
Die einheitliche Standardzeit erleichterte ab dem späten 19. Jahrhundert Kommunikation und Verkehr. Sommerzeit im heutigen Sinn gibt es nicht: Zwischen 1948 und 1951 (Besatzungszeit) wurde vorübergehend DST erprobt und danach abgeschafft. Neuere Debatten führten bisher zu keiner landesweiten Wiedereinführung.
Wie spät öffnen die Geschäfte in Japan?
Viele Läden öffnen später und schließen früher, als man es aus manchen europäischen Großstädten kennt. Restaurants sind abends oft gegen 21 oder 22 Uhr zu; große Kaufhäuser starten gerne erst am Vormittag. Für den Tagesablauf vor Ort lohnt ein Blick in die praktischen Hinweise zur Japan-Reise.
Typische Öffnungszeiten (Richtwerte, je nach Ort und Saison unterschiedlich):
- Kaufhäuser und große Warenhäuser: oft etwa 10–20 Uhr, Montag bis Samstag.
- Straßenläden: oft etwa 10–19 Uhr, Montag bis Samstag.
- Convenience Stores (Konbini): häufig 24 Stunden, sieben Tage die Woche.
- Mittagslokale: oft etwa 11–14 Uhr, Montag bis Freitag.
- Abendrestaurants: oft etwa 17–22 Uhr, Montag bis Samstag.
- Izakaya (Kneipen/Bars): oft etwa 17–23 Uhr, Montag bis Samstag.
- Banken: oft etwa 9–15 Uhr, Montag bis Freitag; samstags manchmal verkürzt.
- Museen: oft etwa 9–17 Uhr, Dienstag bis Sonntag (Montagsruhe häufig).
Zeitunterschied zwischen Japan und wichtigen Orten
Japan teilt sich UTC+9 unter anderem mit Südkorea. China liegt eine Stunde zurück (UTC+8). Gegenüber Deutschland gilt die 7- bzw. 8-Stunden-Regel je nach MEZ/MESZ – das ist für Telefonate und Online-Meetings der wichtigste Wert.
Orientierung (ungefähr, ohne Sommerzeit der anderen Länder):
- Deutschland / Österreich / Schweiz: −8 h (Winter) / −7 h (Sommer)
- Vereinigtes Königreich: −9 h (Winter) / −8 h (Sommer, bei britischer Sommerzeit)
- Frankreich / Italien / Spanien: wie Deutschland
- USA Ostküste (New York): ca. −14 h (ohne Berücksichtigung der US-Sommerzeit)
- USA Westküste (Los Angeles): ca. −17 h
- Brasilien (Brasília): ca. −12 h
- Peking / Shanghai / Hongkong / Singapur: −1 h
- Sydney: +1 bis +2 h je nach australischer Sommerzeit
- Seoul: 0
- Neu-Delhi: −3:30 h
Für exakte Umrechnungen lohnt ein aktueller Weltzeituhr-Check, weil viele Länder Sommerzeit haben – Japan eben nicht.
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