Shakai Hoken: das japanische Sozialversicherungssystem einfach erklärt

Aufbau, Beiträge, Leistungen und Alternativen des japanischen Sozialversicherungssystems

Der Shakai Hoken (社会保険) ist das japanische Sozialversicherungssystem für Arbeitnehmer und bündelt Krankenversicherung, Altersrente, Arbeitslosen- und Unfallversicherung am Arbeitsplatz sowie eine Bestattungshilfe. Wenn der Versicherte stirbt, erhält die Familie eine Hinterbliebenenrente; bei Arbeitsunfähigkeit greift eine Invaliditätsrente; im Krankheitsfall übernimmt die Versicherung 70 % der medizinischen Kosten. Damit ist der Shakai Hoken das Rückgrat der sozialen Sicherheit für alle regulär Angestellten in Japan.

Verwaltet wird das System von der japanischen Regierung, die Anmeldung läuft in der Regel über den Arbeitgeber. Wer verstehen will, welche Leistungen im eigenen Arbeitsvertrag stecken, kommt um den Shakai Hoken nicht herum. Wir gehen die Bausteine Schritt für Schritt durch.

Japanische 10.000-Yen-Banknote mit dem Konterfei von Fukuzawa Yukichi, die typische Gehalts- und Beitragswährung im Shakai Hoken
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Struktur des Shakai Hoken

Der Shakai Hoken setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die alle in einem gemeinsamen System über den Arbeitgeber verwaltet werden. Im Alltag begegnen dir vor allem die Kranken- und die Rentenversicherung; daneben gibt es noch kleinere Posten für Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfälle.

Krankenversicherung (Kenko Hoken)

Der Kenko Hoken (健康保険) übernimmt 70 % der medizinischen Kosten für Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Behandlungen. Die Versicherten tragen 30 % selbst, mit einer monatlichen Obergrenze von etwa 80.100 Yen pro Patient. So bleiben auch schwere Behandlungen planbar.

Bist du wegen Verletzung oder Krankheit arbeitsunfähig, zahlt die Versicherung bis zu eineinhalb Jahre lang rund 60 % des entgangenen Gehalts. Dazu kommt eine Mutterschaftsunterstützung: Schwangere erhalten 60 % ihres Gehalts während des Mutterschaftsurlaubs sowie eine Geburtszulage von 420.000 Yen. Orthopädische Hilfsmittel, Physiotherapie und weitere medizinische Behandlungen sind ebenfalls abgedeckt.

Rentenversicherung (Kosei Nenkin)

Die Rentenversicherung (厚生年金, Kosei Nenkin) ist Teil des Shakai Hoken und zahlt dir ab 65 Jahren eine Rente, sofern du mindestens 10 Jahre lang Beiträge eingezahlt hast. Früher lag die Mindestbeitragszeit bei 25 Jahren; sie wurde gesenkt, um den Anspruch zu erweitern. Die Rente wird bis zum Tod des Inhabers ausgezahlt; verstirbt der Versicherte, haben Angehörige Anspruch auf eine jährliche Hinterbliebenenrente, die 1 Million Yen übersteigen kann.

Bei einer anerkannten Behinderung greift die Invaliditätsrente. Ausländer, die in das System eingezahlt haben, können sich bei der Rückkehr in ihr Heimatland unter bestimmten Bedingungen einen Teil der Beiträge erstatten lassen – die Höhe hängt von der Beitragsdauer ab.

Anmeldung und wer beitragspflichtig ist

Die Anmeldung zum Shakai Hoken ist obligatorisch für alle Angestellten, die mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten, einen Vertrag von mindestens zwei Monaten haben und mehr als 88.000 Yen pro Monat verdienen. Der Arbeitgeber muss die Beschäftigten im System registrieren und übernimmt rund 50 % der Beiträge. Selbstständige und Freiberufler fallen nicht unter den Shakai Hoken; sie können sich stattdessen für den Kokumin Kenko Hoken ( Nationale Krankenversicherung) und den Kokumin Nenkin (Nationale Rente) anmelden.

Wie viel zahlt man?

Die Beiträge zum Shakai Hoken hängen davon ab, in welcher Präfektur du wohnst, und von der Höhe deines Gehalts. Als grobe Orientierung werden die Gesamtbeiträge so aufgeteilt:

  • 10 % des Gehalts für die Krankenversicherung;
  • 17 % für die Rentenversicherung;
  • 1 % für weitere Leistungen wie die Arbeitslosenversicherung.

Insgesamt liegt der Beitragssatz damit bei rund 28 % des Bruttogehalts. Etwa die Hälfte übernimmt das Unternehmen, die andere Hälfte wird vom Gehalt des Arbeitnehmers abgezogen – auf den Beschäftigten entfallen also rund 13 %. Bei einem Bruttogehalt von 330.000 Yen werden etwa 40.000 Yen für den Shakai Hoken abgezogen, davon rund 15.000 Yen für die Krankenversicherung und 25.000 Yen für die Altersrente.

Grafik zum japanischen Sozialversicherungssystem Shakai Hoken mit den Bausteinen Kranken- und Rentenversicherung

Zusätzliche Leistungen

Neben Kranken- und Rentenversicherung hält der Shakai Hoken noch zwei Leistungen bereit, die im Alltag leicht übersehen werden, im Ernstfall aber viel abfedern: die Bestattungshilfe und die Möglichkeit, sich als Ausländer Beiträge zurückerstatten zu lassen.

Bestattungshilfe und Hinterbliebenenrente

Stirbt der Versicherte, deckt die Versicherung Bestattungskosten in Höhe von etwa 50.000 Yen. Angehörige können zusätzlich eine jährliche Hinterbliebenenrente erhalten, die der Familie in einer schwierigen Phase finanziell unter die Arme greift.

Beitragsrückerstattung für Ausländer

Ausländische Arbeitnehmer, die Japan dauerhaft verlassen, können eine Rückerstattung der eingezahlten Beiträge beantragen – bekannt als Lump-Sum Withdrawal Payment. Die Höhe hängt von der Beitragsdauer ab; die Leistung greift, wenn du weniger als 10 Jahre lang Beiträge gezahlt hast. Bei längeren Beitragszeiten ist es möglich, die Rente auch außerhalb Japans weiter zu beziehen.

Außenansicht eines japanischen Krankenhauses, das die medizinische Versorgung symbolisiert, die der Kenko Hoken abdeckt

Alternativen zum Shakai Hoken

Wer nicht in den Shakai Hoken fällt – etwa Selbstständige, Freiberufler oder Studierende mit sehr niedrigem Einkommen –, ist nicht automatisch unversichert. Die Alternative heißt Kokumin Kenko Hoken (Nationale Krankenversicherung) in Kombination mit dem Kokumin Nenkin (Nationale Rente). Beide werden von den Präfekturen verwaltet und sind für alle Einwohner Japans ab 20 Jahren verpflichtend. Die Beiträge richten sich nach Einkommen und persönlicher finanzieller Situation, der Leistungsumfang ist dem Shakai Hoken ähnlich.

Der Shakai Hoken ist ein komplexes System, aber für alle, die in Japan arbeiten, kaum zu umgehen. Wir hoffen, dass dieser Artikel die wichtigsten Fragen klären konnte. Hast du selbst Erfahrungen mit dem Shakai Hoken gemacht, etwa als Arbeitnehmer, Freelancer oder bei der Auszahlung des Lump-Sum Withdrawal Payments? Oder überlegst du gerade, nach Japan zu ziehen und willst wissen, welche Variante für deinen Fall die richtige ist? Schreib uns gerne in die Kommentare – wir freuen uns auf deine Geschichte.

Quellen
Kevin Henrique

Über den Autor: Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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