Anime Trap Bedeutung: Herkunft, Charaktere und heutiger Umgang

Was hinter dem umstrittenen Begriff steckt und welche Figuren ihn geprägt haben.

Wenn du regelmäßig Anime schaust, ist dir der Begriff „Trap" bestimmt schon einmal begegnet. In der Szene bezeichnet er männliche Charaktere mit besonders androgynem oder weiblichem Auftreten, die andere Figuren im Laufe der Handlung oft überraschen. Daneben existiert die seltenere „Reverse Trap", bei der eine weibliche Figur bewusst männlich auftritt. Was hinter diesen Konzepten steckt, woher sie kommen und wie die Community sie heute einordnet, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Der Begriff „Trap" leitet sich vom englischen Wort „trap" (Falle) ab. In Anime-Foren tauchte er erstmals Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre auf und verbreitete sich vor allem über Boards wie 4chan in der internationalen Otaku-Community. Im Deutschen und im allgemeinen Sprachgebrauch außerhalb der Anime-Szene gilt die Bezeichnung allerdings als problematisch, weil sie stark an reale Diskriminierung und Transphobie erinnert. In diesem Artikel verwenden wir den Begriff ausschließlich im historischen Kontext der Szene und liefern dir zugleich die neutraleren Alternativen, die sich in den letzten Jahren durchgesetzt haben.

Illustration eines Anime-Charakters, der androgyne Züge betont

Als neutralere Bezeichnung hat sich in der englischsprachigen Anime-Community „Femboy" etabliert, also ein männlicher Charakter mit femininen Merkmalen. Für weibliche Figuren mit maskulinem Auftreten wird häufig „Tomboy" verwendet. Beide Begriffe beschreiben das Aussehen und die Wirkung einer Figur, ohne den abwertenden Beiklang des ursprünglichen Wortes.

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Was bedeutet „Trap" im Anime?

Ein „Trap"-Charakter im klassischen Sinne ist männlich, wirkt aber auf den ersten Blick weiblich: durch zierliche Figur, sanftes Gesicht, hohe Stimme, weibliche Kleidung oder besondere Ausstrahlung. In vielen Seren dient der Charaktertyp als Running Gag, als spielerische Wendung oder als Auslöser für romantische Verwechslungen.

Wichtig: Ein solcher Charakter ist nicht automatisch homosexuell oder trans. Es geht um Optik und Wirkung, nicht um die sexuelle Orientierung. Im Anime ist es außerdem üblich, solche Figuren nicht zu sexualisieren, sondern als Identifikations- oder Sympathieträger zu zeigen, die Klischees hinterfragen und für frischen Wind in der Handlung sorgen.

Herkunft und Geschichte des Begriffs

Die Wurzeln des Begriffs liegen in den frühen Imageboards und Foren. Auf 4chan, 2channel und ähnlichen Plattformen wurde der Ausdruck ab Ende der 1990er-Jahre genutzt, um Charaktere zu beschreiben, die das Geschlecht anderer Figuren (und der Zuschauer) „hereingelegt" haben. In den 2010er-Jahren verbreitete sich der Begriff rasant über Memes, Fan-Listen und Erklärartikel.

Gleichzeitig wuchs in der Community die Kritik: Viele Fans empfinden das Wort als respektlos gegenüber trans Personen, weil es deren Identität auf einen „Trick" reduziert. Plattformen wie Reddit, Twitter und Discord-Communities verwenden deshalb zunehmend Begriffe wie „femboy character" oder „androgyner Charakter". Auch in deutschsprachigen Anime-Foren hat sich dieser vorsichtigere Sprachgebrauch in den letzten Jahren sichtbar durchgesetzt.

Bekannte „Trap"-Charaktere aus der Anime-Welt

Im Folgenden findest du eine Auswahl besonders bekannter Figuren, die in der Community regelmäßig unter dem (heute meist kritisch gesehenen) Schlagwort „Trap" zusammengefasst werden. Die Liste ist nicht abschließend, sondern als Einstieg in das Thema gedacht.

Ruka Urushibara – Steins;Gate

Ruka Urushibara aus Steins;Gate gilt vielen als Paradebeispiel für den Archetyp. Okabe Rintarou stellt bereits früh klar, dass Ruka biologisch männlich ist. Im Lauf der Serie gelingt es den Figuren mit einer Zeitreise-Nachricht an Rukas Mutter, Ruka als biologisches Mädchen neu zu „erschaffen" – eines der wenigen Beispiele, in denen die Transformation tatsächlich Teil der Handlung wird.

Ruka Urushibara aus Steins;Gate in einem weichen, androgynen Look

Astolfo – Fate/Apocrypha

Astolfo aus Fate/Apocrypha ist einer der meistdiskutierten Charaktere des Fate-Franchements. Die Figur gewann 2017 inoffiziell den ersten Platz in mehreren „Best Girl"-Umfragen, obwohl Astolfo biologisch männlich ist. Fans schätzen vor allem die ausgelassene, fröhliche Art und das auffällige Design.

Astolfo aus Fate/Apocrypha mit pinkem Haar und Rüstung

Felix Argyle – Re:Zero

Felix Argyle (im japanischen Original Ferris) aus Re:Zero ist als Katzenjunge mit blauem Kleid, Schleife und Ohren eine der ikonischsten „Trap"-Figuren der 2010er-Jahre. Viele Zuschauer erkannten das Geschlecht erst spät, was den Überraschungseffekt perfekt macht.

Felix Argyle aus Re:Zero in blauem Kleid mit Katzenohren

Hideyoshi Kinoshita – Baka and Test

Hideyoshi aus Baka to Test to Shoukanjuu ist so androgyn, dass andere Charaktere ihn regelmäßig mit einer Frau verwechseln. Im japanischen Original trägt er bewusst neutrale Kleidung und ist für seine ungewöhnlich schöne Erscheinung bekannt.

Hideyoshi Kinoshita mit kurzen Haaren und neutralem Schullook

Seiko Kotobuki – Lovely Complex

Seiko aus Lovely Complex sieht so weiblich aus, dass sogar der Protagonist der Serie sie zunächst für ein Mädchen hält. Eine der berühmtesten Szenen ist der gestohlene Kuss, der regelmäßig in Fan-Listen auftaucht.

Seiko Kotobuki aus Lovely Complex mit langen Haaren

Weitere männliche Figuren mit femininem Auftreten

Neben den oben genannten Charakteren gibt es eine ganze Reihe weiterer Figuren, die in der Community regelmäßig in diesem Kontext erwähnt werden. Die folgende Liste ist eine Auswahl, kein vollständiges Verzeichnis.

  • Airi Hatsuse – Stella Women’s Academy
  • Amane Nishiki – BlazBlue
  • Aoi Hyoudou – Maid-Sama
  • Armin Arlert – Attack on Titan
  • Astolfo – Fate/Apocrypha
  • Chihiro Fujisaki – Danganronpa
  • Ciel Phantomhive – Black Butler
  • Felix Argyle – Re:Zero
  • Gasper Vladi – High School DxD
  • Haku – Naruto
  • Hideri Kanzaki – Blend S
  • Hideyoshi Kinoshita – Baka and Test
  • Hime Arikawa – Himegoto
  • Kalluto Zoldyck – Hunter x Hunter
  • Kuranosuke Koibuchi – Princess Jellyfish
  • Kurapika – Hunter x Hunter
  • Mare Bello Fiore – Overlord
  • Nagisa Shiota – Assassination Classroom
  • Pico – Boku no Pico
  • Saika Totsuka – My Teen Romantic Comedy SNAFU
  • Shiota Nagisa – Assassination Classroom

Reverse Traps: Frauen mit maskulinem Auftreten

Das Gegenstück zum „Trap" ist die „Reverse Trap": eine weibliche Figur, die sich männlich kleidet, kurz geschnittene Haare trägt und insgesamt einen burschikosen Eindruck macht. Auch hier geht es um die Wirkung der Figur, nicht um ihre sexuelle Orientierung.

Kikuchi Makoto – The iDOLM@STER

Makoto aus The iDOLM@STER wirkt auf den ersten Blick wie ein junger Mann und nutzt ihren männlichen Charme, um das Herz anderer Mädchen zu erobern, obwohl sie selbst weiblich ist. Gerade der Kontrast zwischen burschikosem Auftreten und versteckter femininer Seite macht die Figur bei Fans beliebt.

Kikuchi Makoto aus The iDOLM@STER mit kurzen Haaren und lässigem Look

Ayuzawa Misaki – Maid-Sama

Misaki aus Maid-Sama arbeitet im Café in Maid-Outfit, ist in der Schule aber als „Präsident" der Schülervertretung eher männlich unterwegs. Viele Fans schätzen den Wechsel zwischen burschikoser Schülervertretungs-Präsidentin und liebevoller Maid.

Ayuzawa Misaki aus Maid-Sama mit kurzen dunklen Haaren

Tachibana Hotaru – Aoharu x Kikanjuu

Hotaru aus Aoharu x Kikanjuu hat kurze Haare, trägt eine männliche Schuluniform und nimmt mit großem Ernst an Airsoft-Turnieren teil. Im Verlauf der Serie zeigt sich aber auch ihre weibliche Seite, ohne dass die Figur dadurch unglaubwürdig wirkt.

Tachibana Hotaru aus Aoharu x Kikanjuu mit kurzen Haaren

Weitere bekannte Reverse Traps

Auch hier eine Auswahl häufig erwähnter Figuren: Subaru Konoe aus Mayo Chiki, Naoto Shirogane aus Persona 4, Yuu Kashima aus Gekkan Shoujo Nozaki-kun, Haruhi Fujioka aus Ouran High School Host Club, Haruka Tenoh aus Sailor Moon, Kino aus Kino’s Journey und Ukyo aus Ranma ½.

Androgyne Charaktere und Grenzfälle

Nicht jeder Charakter, der mal als „Trap" eingeordnet wird, passt wirklich in das Schema. Viele Figuren sind schlicht androgyn, also weder klassisch männlich noch klassisch weiblich. Dazu gehören zum Beispiel Crona aus Soul Eater, Envy aus Fullmetal Alchemist, Griffith aus Berserk (in jungen Jahren), Hange Zoë aus Attack on Titan, Naoto Shirogane aus Persona 4 oder Haku aus Naruto. Diese Charaktere versteht die Community heute meist als eigenständigen Archetyp, getrennt von der „Trap"-Diskussion.

Wie die Community das Thema heute sieht

In den letzten Jahren hat sich der Umgang mit dem Thema spürbar verändert. Viele Anime-Fans benutzen den Begriff „Trap" inzwischen bewusst seltener und weichen auf neutralere Formulierungen aus. Plattformen wie Reddit, Discord und große deutschsprachige Anime-Foren moderieren den Begriff inzwischen aktiv.

Diese Entwicklung hat mehrere Gründe: Die Figuren selbst sind heute oft differenzierter gezeichnet, die Sensibilität für reale Themen wie Geschlechtsidentität und Diskriminierung ist gewachsen, und nicht zuletzt hat sich auch in Japan selbst der Sprachgebrauch verfeinert. Wer in der Anime-Szene unterwegs ist, kommt mit einer offenen, reflektierten Haltung deutlich besser an als mit einem sensationslustigen Ton.

Fazit

Der Begriff „Trap" gehört fest zur Geschichte der Anime- und Manga-Kultur und hat einige ikonische Charaktere hervorgebracht. Gleichzeitig ist er im Wandel, und wer das Thema heute verstehen will, kommt an den neutraleren Begriffen „Femboy", „Tomboy" und „androgyne Figur" kaum vorbei. Am Ende lohnt es sich, die Figuren selbst sprechen zu lassen: Viele dieser Charaktere sind gerade deshalb so beliebt, weil sie Geschlechterrollen auf spielerische Weise hinterfragen, ohne in plumpe Klischees zu verfallen. Welche Figur hat bei dir den größten Eindruck hinterlassen?

Quellen
Kevin Henrique

Über den Autor: Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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