Antes der berühmten Shinkansen waren die sogenannten Expresszüge (特急列車 – Tokkyū Ressha) die wahren Könige der Schienen in Japan. Sie verbanden wichtige Großstädte, hielten seltener als normale Expresszüge und boten ein überlegenes Erlebnis – sowohl in puncto Komfort als auch beim Service.
Sie waren ein Statussymbol. Mit geräumigen Waggons, Panoramafenstern, Bordservice und markanten Namen waren diese Züge nicht nur Transportmittel: Sie waren ein Teil der Reise. Viele Japaner haben liebevolle Erinnerungen an diese langen Fahrten durch das Land.
Inhaltsverzeichnis
Die ikonischsten Expresszüge Japans
Mehrere dieser Züge prägten eine Epoche und leben noch in der Erinnerung von Eisenbahn- und Kulturbegeisterten. Im Folgenden einige der emblematischsten.
Raichō (雷鳥) – Der Donner der Berge
Der Raichō, was auf Japanisch „Schneehuhn“ bedeutet, war ein Expresszug, der Osaka über die Hokuriku-Linie mit Kanazawa verband. Er begann 1964 zu verkehren und war jahrelang die wichtigste Verbindung zwischen Kansai und der Hokuriku-Region.
Seine Strecke führte durch bergige Landschaften, die im Winter besonders schön waren, und die Waggons hatten eine markante Lackierung mit roten Streifen auf weißem Grund. Er wurde 2011 außer Dienst gestellt und durch den Thunderbird ersetzt, bleibt aber ein Symbol der Shōwa-Zeit.

Asakaze (あさかぜ) – Die Morgenbrise
Einer der legendärsten Nachtzüge, der Asakaze, bewältigte die lange Strecke zwischen Tokio und Hakata. Sein Name, „Morgenbrise“, brachte den Geist der Nachtreisen gut auf den Punkt – er fuhr nachts ab und kam bei Tagesanbruch an.
Er war berühmt für seine Schlafwagen vom Typ „Blue Train“ mit Bordservice, privaten Kabinen und vollständigen Mahlzeiten. Es war üblich, Familien, Arbeiter und sogar Studenten zu sehen, die mit ihm die Hälfte des Landes durchquerten, während sie schliefen.
Er wurde 2005 außer Dienst gestellt, aber Sammler erinnern sich noch liebevoll an ihn und er taucht häufig in japanischen Historiendramen auf.

Yamabiko (やまびこ) – Das Echo in den Bergen
Bevor er ein Shinkansen-Name war, war der Yamabiko ein Expresszug auf der Strecke zwischen Tokio und Sendai, und später erreichte er sogar Morioka. Er war entscheidend in der Ära vor dem Shinkansen, um die Hauptstadt mit den nördlichen Regionen zu verbinden.
Die Landschaft, durch die er fuhr – besonders in den Bergzonen von Tōhoku – machte den Yamabiko zu einer Referenz, die sowohl praktisch als auch poetisch war. Mit der Ankunft des Tōhoku Shinkansen wurde sein Name wiederverwendet, aber der Charme der alten Modelle fasziniert Enthusiasten immer noch.

Hatsukari (はつかり) – Die erste Wildgans
Der Hatsukari, der seit 1958 verkehrte, verband Ueno (Tokio) mit Aomori auf einer langen und landschaftlich reizvollen Strecke, die das Herz Japans durchquerte. Der Name stammt von einem Zugvogel und symbolisiert lange Überquerungen – ein perfekt gewählter Name.
Dieser Zug war einer der Pioniere für hohe Leistung im Norden des Landes, und seine Strecke beinhaltete herausfordernde Tunnel und Passagen zwischen den Bergen. Für viele Reisende war er ein Synonym für Abenteuer und ein Vorreiter der Eisenbahnentwicklung in Tōhoku.

Tsubame (つばめ) – Die Schwalbe, die nach Süden flog
Der legendäre Tsubame, was „Schwalbe“ bedeutet, begann in den 1930er Jahren zu verkehren und durchlief mehrere Überarbeitungen. In den 50er und 60er Jahren war er ein Luxussymbol auf der Strecke Tokio–Kagoshima und durchquerte die Insel Kyushu.
Mit raffiniertem Design und First-Class-Service war er der Lieblingszug von denen, die Komfort und Schnelligkeit im Süden Japans suchten. Jahrzehnte später wurde der Name im Kyushu Shinkansen wiederbelebt, als Hommage an seine historische Bedeutung.

Der Niedergang mit der Ankunft der Shinkansen
Ab den 1960er Jahren begannen die Shinkansen, den Expresszügen auf praktisch allen Hauptstrecken den Rang abzulaufen. Die Effizienz, Pünktlichkeit und Geschwindigkeit der Bullet Trains veränderten die Eisenbahnszene des Landes.
Trotzdem verkehrten einige Expresszüge bis in die frühen 2000er Jahre, besonders auf Strecken, die noch keine Shinkansen-Linien hatten. Viele wurden für den Tourismus umgebaut oder in Panorama- und Saisonzüge verwandelt.
Gibt es heute noch Expresszüge?
Ja, aber in neuem Gewand. Heute behalten einige Züge die Bezeichnung „Limited Express“, auch wenn sie sich deutlich von den klassischen unterscheiden:
- Romancecar (Odakyu) – berühmt für sein Panoramadesign.
- Thunderbird (JR West) – moderner Nachfolger des Raichō.
- Azusa (JR East) – verbindet Shinjuku mit Matsumoto.
Sie sind schnell und komfortabel, haben aber ein einheitlicheres Aussehen. Der Glanz der 70er und 80er Jahre ist dahin, aber die Effizienz ist geblieben.


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