Robot Restaurant Shinjuku: die Show, die es nicht mehr gibt

Robot Restaurant Shinjuku: die Show, die es nicht mehr gibt

Ferngesteuerte Riesenroboter, Karnevalsstimmung – und ein Name, der mehr versprach als die Bühne hielt

Einer der auffälligsten Punkte im Viertel Kabukichō in Shinjuku war lange eine Adresse namens Robot Restaurant (ロボットレストラン). Neon, blinkende Schilder, übergroße Figuren vor der Tür: Der Ort sah aus, als hätte jemand eine Spielhalle, ein Varieté und eine Karnevalswagen-Parade in denselben Keller gesteckt. Restaurant im klassischen Sinn war das nie. Und die Show unter diesem Namen gibt es nicht mehr.

Wer hineinging, landete zuerst in einem Wartebereich mit Snacks und Getränken. Sobald die Vorstellung begann, führte man die Gäste in einen Saal, der eher nach Club als nach Küche roch. Die Show überraschte viele – und enttäuschte andere, weil sie echte Hightech-Roboter erwartet hatten. Genau dieser Abstand zwischen Name und Bühne erklärt, warum der Ort in Reiseforen weiterlebt, obwohl die Kasse längst zu ist.

Bunte Bühne mit Neonlicht und Tänzerinnen im früheren Robot Restaurant in Shinjuku
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Was konnte man vom Robot Restaurant wirklich erwarten?

Manche stellten sich den Ort als techniklastiges Restaurant vor, in dem echte Roboter die Gäste bedienen. In Wirklichkeit waren die „Roboter“ große Maschinen, die per Fernbedienung gesteuert oder von Menschen geschoben wurden. Das Haus hat zu keinem Zeitpunkt Hightech oder Service-Androiden versprochen. Der Name war Köder. Die Bühne war Varieté.

Wer Karneval kennt, weiß ungefähr, was einen dort erwartete: etwas Buntes, voll mit kostümierten Tänzerinnen, viel Musik und vielen Lichtern. Für viele Europäer wirkte das gewöhnlich, fast wie eine überdrehte Parade in einem Keller. In Tokio war es trotzdem ein sehr beliebtes Ausflugsziel – vor allem bei ausländischen Gästen, die nach einem Abend suchten, den man später nur noch mit „das musst du gesehen haben“ beschreiben kann.

Ferngesteuerte Roboter und Tänzerinnen auf der Bühne des Robot Restaurant

Die Vorstellung dauerte rund neunzig Minuten. Dazwischen lagen Pausen, in denen Souvenirs und Getränke verkauft wurden. Das Essen war Beiwerk: vorgefertigte Gerichte auf Tabletts, dazu Dosen und Flaschen. Wer hungrig kam, aß besser vorher oder nachher irgendwo in Shinjuku. Wer Ohren hat, sollte wissen, dass es laut war – so laut, dass für Kinder Ohrenschützer angeboten wurden. Das Original war, anders als man beim Rotlichtviertel vermutet, auch für Jugendliche zugänglich.

Warum so viele enttäuscht waren

Das große Problem war die Vorfreude. Viele kamen mit einem Bild im Kopf, das YouTube und Reiseführer größer gemacht hatten als der Saal. Dann standen da Maschinen, deren Fahrer man sehen konnte, Kostüme, die nach intensiver Nutzung aussahen, und eine Handlung, die man nicht wirklich verfolgen musste. Wer das als Witz mit Licht und Trommeln nahm, hatte seinen Abend. Wer „Japans Zukunft“ erwartet hatte, fühlte sich über den Tisch gezogen.

Dazu kam der Preis. Wer plante, musste mit rund 8.000 bis 10.000 Yen rechnen; an der Tür wurde es oft teurer als bei einer Buchung im Voraus. Für ein Showhaus mit Tablettessen ist das viel Geld. Es war ein lustiger, schriller, bizarrer Abend – aber sicher nicht jedermanns Sache. Wer diese Art von Spektakel mag, war mindestens einmal richtig dort. Wer ruhige Kultur suchte, war falsch.

In ganz Japan gab und gibt es thematische Restaurants, die weniger kosten und weniger Theater machen. Das Kawaii Monster Cafe in Harajuku zum Beispiel setzte auf buntes Interieur statt auf eine Keller-Revue. Das Robot Restaurant blieb in einer eigenen Liga: teurer, lauter, kitschiger.

Geschlossen: was aus der Show wurde

Das Robot Restaurant öffnete im Juli 2012 im Shinjuku-Robot-Gebäude in Kabukichō, wenige Minuten vom Bahnhof Shinjuku. Die Innenausstattung wurde mit rund zehn Milliarden Yen angegeben. Was als Show für Büroangestellte in Shinjuku begann, kippte schnell ins Touristenprogramm, nachdem ausländische Gäste den Keller zum Gesprächsstoff machten – darunter die Regisseure Tim Burton, J. J. Abrams und Guillermo del Toro.

Im März 2020 ging der Vorhang zu, zuerst als Pandemiepause. Daraus wurde das Ende: Die Show kam unter dem alten Namen nicht dauerhaft zurück, 2021 verschwand sogar das große Schild an der Fassade. Ende Mai 2023 bestätigte die Berichterstattung in Tokio, dass das Robot Restaurant geschlossen bleibt und auch nicht an einem anderen Ort weiterläuft. Es gab noch einen eintägigen Auftritt am 29. Mai 2023 im benachbarten Haus derselben Betreiber; das Original kehrte danach nicht zurück.

Was an derselben Adresse in Kabukichō läuft

Seit Oktober 2023 gibt es im selben Gebäude das Samurai Restaurant (サムライレストラン). Dieselbe Mannschaft, ähnliche Lautstärke, weniger Roboter, mehr Schwertchoreografie, Taiko und Kostüme. Es ist eine Nachfolge-Show, kein zweites Robot Restaurant. Die Vorstellungen laufen tagsüber; weil der Saal im Komplex von Gira Gira Girls liegt, gilt ein Mindestalter von 18 Jahren – auch wenn die Show selbst keine Nachtclub-Nummer ist. Tickets und aktuelle Zeiten stehen auf der offiziellen Seite des Samurai Restaurant.

Wer also heute „Robot Restaurant Tickets“ sucht, landet oft bei genau dieser Nachfolge. Der Name in der Suchzeile ist alt. Die Kasse ist neu. Eine ausführlichere Einordnung der Geschichte und der Alternative steht in unserem Beitrag zum Robot Restaurant in Shinjuku. Wer nur wissen wollte, ob der grellste Keller von Kabukichō noch existiert: unter dem alten Namen nicht. Die Parade hat das Gebäude gewechselt, nicht die Lautstärke.

Quellen und nützliche Links

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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