8 Menschentypen, denen man in Japans Zügen begegnet

8 Menschentypen, denen man in Japans Zügen begegnet

Acht typische Fahrgasttypen in Japans Zügen, von Inemuri bis zu stillen Alltagsregeln im Berufsverkehr.

Wer in Japan regelmäßig Zug fährt, merkt schnell: Die Fahrt ist nicht nur Transport, sondern auch ein kleines Theater des Alltags. Zwischen stiller Etikette, dichtem Berufsverkehr und sehr eigener Pendelroutine tauchen bestimmte Fahrgasttypen immer wieder auf. Manche sind harmlos und fast schon sympathisch, andere bringen den ganzen Waggon aus dem Gleichgewicht.

Hier sind acht Menschentypen, denen man in Japans Zügen besonders oft begegnet. Nicht jeder passt immer in genau eine Schublade, aber viele Szenen erkennt man schon nach wenigen Fahrten wieder.

Inhalt 8

Die Schläfer im Zug - Inemuri

Der wohl klassischste Anblick ist der schlafende Pendler. In Japan ist es nichts Ungewöhnliches, im Zug kurz wegzunicken. Dieses Dösen in der Öffentlichkeit wird oft mit dem Begriff inemuri beschrieben. Gemeint ist kein tiefer Schlaf, sondern ein Zustand, in dem man körperlich noch präsent bleibt und trotzdem ein paar Minuten Ruhe findet.

Manche schlafen im Stehen, andere im Sitzen, manche mit gesenktem Kopf, andere in erstaunlich unbequemen Verrenkungen. Solange niemand mehrere Plätze blockiert oder dem Nachbarn auf die Schulter kippt, stört das kaum jemanden. Fast noch erstaunlicher ist, wie viele genau an ihrer Station wieder wach werden.

Pendler schlafen in einem japanischen Zug

Die ewigen Sumimasen-Sager

Dann gibt es die Menschen, die sich durch jede Lücke bewegen und dabei schon halb im Vorbeigehen sumimasen sagen. Das Wort kann je nach Situation Entschuldigung, Verzeihung oder auch ein höfliches Bitte bedeuten. Gerade in engen Waggons hört man es ständig.

Diese Fahrgäste drängeln sich nicht unbedingt grob vor, aber sie bahnen sich sehr entschlossen ihren Weg. Ein kurzes "sumimasen" reicht, und schon erwartet man fast automatisch, dass man einen Schritt zur Seite macht. Im dichten Berufsverkehr funktioniert genau diese knappe Höflichkeit oft besser als lange Erklärungen.

Gedränge beim Einsteigen in einen japanischen Zug

Die Handysüchtigen

Telefonate im Zug gelten in Japan als störend, deshalb bleiben Smartphones meist auf lautlos. Das heißt aber nicht, dass die Geräte verschwinden. Im Gegenteil: Viele Pendler schauen ohne Pause auf ihr Display, lesen Nachrichten, spielen, lesen Manga oder verfolgen Serien mit Kopfhörern.

Gerade in Großstädten wirkt es manchmal, als würde ein ganzer Wagen gleichzeitig auf dieselbe unsichtbare Bühne starren. Solange niemand laut Videos hört oder andere beim Ein- und Aussteigen behindert, gehört dieses stille Scrollen längst zum normalen Bild des Bahnalltags.

Pendler schauen auf ihre Smartphones im japanischen Zug

Die Belästiger, vor denen sich alle hüten

Weniger harmlos ist ein anderer Typ, über den man leider ebenfalls sprechen muss: Menschen, die volle Züge ausnutzen, um andere zu bedrängen oder sexuell zu belästigen. Gerade in überfüllten Waggons ist das seit Jahren ein ernstes Problem. Deshalb gibt es auf manchen Linien während der morgendlichen Rushhour sogar Frauenabteile.

Das gehört nicht in die Kategorie schrulliger Zuggewohnheiten, sondern ist ein reales Sicherheitsproblem. Wer entsprechende Schilder sieht, sollte sie respektieren. Die Existenz solcher Wagen zeigt deutlich, dass die stille Ordnung in Japans Zügen nicht bedeutet, dass alles automatisch angenehm oder sicher ist.

Hinweis auf Sicherheit und Frauenabteile in japanischen Zügen

Die Lauten, die den ganzen Wagen übernehmen

Japans Züge gelten als ruhig, doch genau deshalb fallen laute Gruppen sofort auf. Ein paar Schüler nach dem Unterricht, eine ausgelassene Clique oder Kollegen nach Feierabend reichen aus, um den ganzen Wagen akustisch zu dominieren. In einem Umfeld, in dem die meisten bewusst leise sprechen, wirkt das noch auffälliger.

Oft schauen die anderen nur kurz hin und hoffen, dass es bald wieder still wird. Direkt etwas zu sagen kommt seltener vor, weil viele Konfrontationen vermeiden. So bleibt die Szene manchmal merkwürdig: ein fast stiller Waggon und darin eine kleine Gruppe, die so tut, als wäre sie allein.

Eine laute Gruppe fällt in einem japanischen Zug besonders auf

Die Sitzplatz-Hüter

Vorrangplätze sind für ältere Menschen, Schwangere, Menschen mit Behinderung und Fahrgäste mit kleinen Kindern gedacht. Trotzdem sieht man immer wieder Personen, die so tun, als hätten sie ihre Umgebung nicht bemerkt. Manche schlafen plötzlich, andere starren konzentriert auf ihr Handy und hoffen, nicht angesprochen zu werden.

Genauso typisch ist allerdings die andere Seite: Menschen, die aufstehen wollen, während die Person vor ihnen aus Höflichkeit ablehnt. Diese kurze Unsicherheit gehört fast schon zur sozialen Choreografie. Niemand will unfreundlich wirken, aber auch niemand will den anderen in Verlegenheit bringen.

Vorrangplätze und Sitzplatzetikette in einem japanischen Zug

Die Unnahbaren

Viele Fahrten verlaufen in Japan erstaunlich wortlos. Die meisten Pendler bleiben in ihrer eigenen Blase, sprechen nicht mit Fremden und vermeiden unnötigen Blickkontakt. Das heißt nicht automatisch, dass sie unfreundlich sind. Der Zug ist für viele einfach ein stiller Zwischenraum zwischen Arbeit, Studium und Zuhause.

Gerade für Besucher kann diese Zurückhaltung kühl wirken. Tatsächlich ist sie oft eher Rücksicht als Ablehnung. Man lässt anderen ihren Raum, spricht leise und versucht, niemandem zur Last zu fallen. Wer das einmal verstanden hat, nimmt diese Distanz meist entspannter wahr.

Stille Fahrgäste in einem japanischen Zug

Die Türblockierer

Der achte Typ ist besonders leicht zu erkennen: Menschen, die direkt an der Tür stehen bleiben, obwohl andere aussteigen wollen. Manchmal ist es schlicht Enge, manchmal Bequemlichkeit, manchmal Unaufmerksamkeit. Dazu kommen Koffer oder Taschen, die genau dort abgestellt werden, wo der Durchgang frei bleiben sollte.

Wer häufiger mit japanischen Zügen fährt, merkt schnell, wie wichtig geordnetes Ein- und Aussteigen ist. Schon wenige Sekunden Verzögerung an der Tür reichen, damit sich am Bahnsteig alles staut. Gerade deshalb wirken Türblockierer in einem sonst so eingespielten System fast wie ein kleiner Regelbruch im Zeitlupentempo.

Am Ende zeigt eine Zugfahrt in Japan nicht nur, wie effizient das Netz funktioniert, sondern auch, wie viel man über den Alltag des Landes zwischen zwei Stationen beobachten kann. Wenn Sie genauer hinsehen, erkennen Sie diese Typen irgendwann schon, bevor sich die Türen überhaupt schließen.

Über den Autor

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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